Lenins spektakuläres Comeback

Die Chronik des Lenindenkmals im sächsischen Großenhain ähnelt dem Plot eines Hollywoodfilms. Nach der Wende wurde der 4,80 Meter hohe und über zehn Tonnen schwere Betonblock nämlich in einer Nacht und Nebel Aktion abgebaut und versteckt, um ihn vor einer möglichen Zerstörung zu retten. 25 Jahre lang galt das kolossale Denkmal als verschwunden, bis es jetzt wieder auftauchte und angesichts seines kunsthistorischen Werts vor dem örtlichen Bunker-Museum aufgestellt wurde.

Die Idee des Lenindenkmals entstand im Rahmen der Feierlichkeiten zu Lenins hundertsten Geburtstag, die Betonstele wurde jedoch aufgrund von diversen Verspätungen erst ein Jahr nach dem Jubiläum, am 11. Juni 1971, auf dem damaligen Leninplatz eingeweiht. Das Kunstwerk vom Dresdner Bildhauer Johannes Peschel besteht aus vier Seiten. Eine enthält ein Zitat Lenins: „Das wichtigste an der Marx’schen Lehre ist die Klarstellung der weltgeschichtlichen Rolle des Proletariats als des Schöpfers der sozialistischen Gesellschaft.“ Die anderen Seiten stellen Szenen der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung dar: Das erste Relief zeigt die Kämpfe während der Novemberrevolution (1918) in Großenhain, das letzte den Aufbau der idealen sozialistischen Gesellschaft, und das mittlere Bild ist der russischen Oktoberrevolution gewidmet. Lenin ist hier die zentrale Figur: Mit ausgestrecktem Arm und in Rednerpose steht er vor einer jubelnden Menschenmenge. Im Hintergrund weht die revolutionäre Fahne der Bolschewiki.

Über 20 Jahre stand das Denkmal auf dem heutigen Radeburger Platz, bis nach der Wiedervereinigung die Phase des Denkmalsturms begann. Hunderte sozialistische Monumente und Kunstwerke wurden Anfang der 90er Jahre in Ostdeutschland demontiert oder zerstört. In Großenhain wurde der Lenin-Betonblock mit Teer beschmiert, sodass eine Gruppe von Personen beschloss, das Denkmal vor weiteren Vandalismusaktionen oder vor einer möglichen von dem Stadtrat verordneten Zerstörung zu retten. Am 27. Oktober 1992 bauten die Schützer des Denkmals die riesige Stele eigenmächtig ab und brachten sie in Sicherheit.

Das erste Versteck für das kommunistische Monument war eine Erdmulde in einem ehemaligen Großenhainer Exerzierplatz. Später musste es aufgrund von anstehenden Bauarbeiten umgestellt werden. Trotz der monumentalen Größe des Betonblocks gelang es der Rettungsgruppe auch den zweiten Transport im Geheimen durchzuführen. So landete das Denkmal schließlich auf dem Gelände eines kulturellen Vereins, wo es von einer schnell hochgezogenen Mauer und einem Dach geschützt und verborgen blieb.

Nach 25 Jahren hielten es die Hüter des Denkmals wieder für sicher und angemessen, die Leninstele an die Öffentlichkeit zu bringen. Als neuen Standort stellte sich das Militärmuseum auf dem örtlichen Flugplatzgelände zur Verfügung, wo eine Ausstellung über die Stationierung der Roten Armee in Großenhain zwischen 1949 und 1993 zu sehen ist. Im Mai 2017 wurde das Denkmal vor dem Museumseingang aufgestellt.

ENGLISH

Lenin’s spectacular comeback

The chronicle of the Lenin-monument in Großenhain in Sachsen resembles the plot of a Hollywood film. After the German reunification, the 4,80-metre-high concrete block weighing over ten tonnes was dismantled and hidden in a secret operation with the intention of preserving it from a possible destruction. For 25 years, the colossal monument was considered „disappeared“ until its surprising comeback in 2017 to be re-erected in front of the local Bunker Museum.

The plan of the Lenin-monument came up on the occasion of Lenin’s centenary celebrations, but due to various delays, the concrete stele was only inaugurated one year after, on June 11th of 1971, on the former Leninplatz. The creation of the sculptor Johannes Peschel consists of four sides. One contains a quotation from Lenin: „The most important thing about Marx’s teaching is the clarification of the world-historical role of the proletariat as the creator of socialist society.“ The other sides depict scenes from the history of the revolutionary workers movement: The first relief shows the struggles during the November Revolution (1918) in Großenhain, the last shows the construction of the ideal Socialist society, and the middle picture is dedicated to the Russian October Revolution. Lenin is the central figure here: he is standing in a speaking pose, with his arm outstretched, in front of a cheering crowd. In the background the revolutionary flag of the Bolsheviks is waving.

The monument stood on the actual Radeburger Platz for over 20 years until in the early 90s the phase of the massive demolition of Socialist monument began. Hundreds of sculptures and memorials were dismantled or destroyed all over East Germany. In Großenhain, the Lenin concrete block was daubed with tar, so a group of people decided to save the monument from further vandalism or even from a possible destruction. On October 27th 1992, the monument’s protectors secretly dismantled the huge stele and brought it into a safe place.

The first hiding place for the Communist monument was an earth pit in a former military area. Later it had to be moved due to pending construction work. Despite the monumental size of the concrete block, the rescue team succeeded in transporting it a second time without being noticed. The monument finally ended up on the property of a cultural association, where it remained protected and hidden by an improvised wall with a roof.

After 25 years, the guardians of the monument considered it safe and appropriate to bring the Lenin-stele to the public again. The new location found was the private military museum on the local airfield, where an exhibition about the presence of the Red Army in Großenhain between 1949 and 1993 can be seen. In May 2017 the monument was erected in front of the museum’s main entrance.

In Großenhain there is also a Soviet military cemetery:

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