Lenins Kopf

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Die abgeschlagenen Köpfe/ der Statuen beweisen nicht das Vergessen. Gelöschte Inschriften/ sind unbesieglich. Diese Verse des Dichters Günter Kunert wurden am Tag der Eröffnung der Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler” in der Zitadelle Spandau vom Historiker Andreas Nachama rezitiert und passen sehr gut zur Geschichte des Hauptexponats: der 2 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Leninkopf. Aus der Berliner Stadtmitte verbannt und im Wald begraben, erlebte der sowjetische Revolutionär anlässlich dieser Ausstellung ein spektakuläres Comeback, bei dem er in den Medien wie ein Popstar gefeiert wurde. Weiterlesen

Der weiße Lenin

White Lenin

Ein Berliner Touristenführer erklärte mir mal, er würde seine Gruppen von US-amerikanischen Besuchern als Allererstes zum Sowjetischen Ehrenmal bringen: „Damit sie sehen, dass man in Berlin das Unerwartbare erwarten kann.“ Tatsächlich ist die Gedenkstätte im Treptower Park aus westlicher Sicht befremdend, wenn nicht sogar ein bisschen bizarr: Das nationalistische Pathos und die kommunistische Symbolik entfalten sich mit großer Pracht und bilden ein Monument der Huldigung des sowjetischen Patriotismus, wie manch einer es im Herzen Europas am Anfang des XXI. Jahrhunderts vielleicht nicht mehr erwartet hätte. Weiterlesen

Lichter in der Dämmerung

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Zwischen bunten Luftballons, großen Werbeplakaten und grell blinkenden Neonlichtern ist auf der Frankfurter Allee unauffällig an der Wand hängend eine Leningedenktafel zu finden. Mit den vielen Läden, Fast-Food-Imbissen und einem Einkaufszentrum direkt gegenüber, wirkt der kommunistische Held hier allerdings ein bisschen fehl am Platz. Und tatsächlich scheint Lenin im Konsumboulevard auf wenig Zuneigung zu stoßen: An der Tafel kann man noch die Spuren der letzten Vandalismusaktion erkennen, ein Mosaik aus verwischter Farbe und Reinigungsmittel. Weiterlesen

Das große Glasmalerei-Fenster

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3HUIn seiner Jugend hat Lenin für seine Forschungen  zum größten Teil ungewöhnlichere Orte besuchen müssen als eine Universitäts-Bibliothek. Er saß von Dezember 1895 bis Februar 1897 wegen Anklage der Agitation in Untersuchungshaft und sah sich gezwungen, seine Recherchen im Gefängnis voranzutreiben. Dort soll er manche von seinen ersten politischen Schriften mit unsichtbarer Tinte verfasst haben. Im Februar 1897 wurde er dann für drei Jahre in das Dorf Schuschenskoje in Ostsibirien verbannt (etwa 600 km vom nächstliegenden Bahnhof entfernt), wo er in einem kleinen Haus und unter Polizeiaufsicht sein eigenes Studierzimmer einrichtete, um sich weiterzubilden und die Niederschrift seiner politischen Ansichten fortzusetzen. Erst als er im Juli 1900 Russland verließ und sein Exilleben antrat, durfte Lenin wieder regelmäßig Bibliotheken frequentieren, um dort in Ruhe zu arbeiten. Weiterlesen

Lenin in West-Berlin

Die Geldmauer

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In Kiessteinen gebettet und von Lastwagen und Container umgeben steht am Parkplatz der Umzugsfirma „Zapf” die einzige Leninstatue in West-Berlin und das einzige Denkmal zu Ehren des russischen Revolutionärs im gesamten Territorium der ehemaligen BRD. Die Geschichte der drei Meter hohen Bronzestatue ist, wie so oft, wenn es um die Figur Lenins geht, von einer gewissen Rätselhaftigkeit geprägt. Weiterlesen

Die heldenhafte Rettung

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Im Oktober 1943 traf am Bahnhof Eisleben ein Zug aus der sowjetischen Stadt Puschko ein. Die Waggons waren mit Schrott und sperrigen Metallobjekten vollgeladen, Kriegsbeute der deutschen Wehrmacht in ihrem Siegeszug Richtung Osten. Die komplette Lieferung sollte in der Krughütte, eine Produktionsstätte in der Nähe von der Lutherstadt Eisleben, eingeschmolzen werden. Die sowjetischen Zwangsarbeiter, die den Waggon abluden, wollten ihren Augen nicht trauen, als sie plötzlich zwischen Glocken, Granathülsen und Schiffsresten eine drei Meter hohe Leninstatue aus Bronze entdeckten. Ihr nationaler Held war aus der Ferne herbeigereist, um sie in diesen harten Zeiten zu unterstützen – ein Wunder! Sie versteckten das Denkmal unter einem Schrottberg und retteten es dadurch vor der Zerstörung. Weiterlesen

Panzerkaserne Bernau

Mausuleum

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PassagenVon den zentralen Punkten der Hauptstadt ausgewiesen, muss sich Lenin in abgelegenen Ruinen herumtreiben. In Bernau liegen zwei Geländer und Gebäudekomplexe, die während des Dritten Reichs das Hauptquartier des Heeresbekleidungsamts waren und nach dem Krieg von den Streitkräften der Roten Armee besetzt wurden. Als Letztes weilte hier die 90. Garde-Panzerdivision, die im Rahmen des sowjetischen Abzugs im Jahr 1993 die Anlagen verließ. Seitdem stehen sie leer: Wo einst eine Eisenbahnlinie vorbeizog, damit man per Zug die schicksten Uniformen oder die modernsten Waffen so schnell wie möglich ausliefern konnte, machen sich jetzt Bäume und Sträucher breit. Und die Räumlichkeiten, in denen sowjetische Generäle einst darüber diskutierten, wie ein dritter Weltkrieg verlaufen könnte, sind dem Verfall überlassen, es herrscht eine Todesstille, die nur unterbrochen wird, wenn man in der Ferne Schritte hört, von denen man nicht weiß, ob sie das Echo der eigenen oder vielleicht die eines zurückgelassenen Soldaten sind… Weiterlesen