Lenin am Matrosendenkmal

Nur fünfzehn Minuten Fußweg vom Rostocker Stadthafen entfernt steht eines der imposantesten revolutionären Denkmäler Deutschlands. Es handelt sich um die in Erinnerung an die Novemberrevolution von 1918 errichtete „Gedenkstätte revolutionärer Matrosen“. Der Kieler Matrosenaufstand hatte damals die Revolution ausgelöst, die zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und der Gründung einer parlamentarischen Demokratie („Weimarer Republik“) führte. Das Denkmal besteht aus zwei Teilen: eine zwanzig Meter lange Reliefwand mit Szenen der internationalen Arbeiterbewegung und eine neun Meter hohe Bronzeskulptur zweier Matrosen in Angriffsposition. Weiterlesen

Lenins spektakuläres Comeback

Die Chronik des Lenindenkmals im sächsischen Großenhain ähnelt dem Plot eines Hollywoodfilms. Nach der Wende wurde der 4,80 Meter hohe und über zehn Tonnen schwere Betonblock nämlich in einer Nacht und Nebel Aktion abgebaut und versteckt, um ihn vor einer möglichen Zerstörung zu retten. 25 Jahre lang galt das kolossale Denkmal als verschwunden, bis es jetzt wieder auftauchte und angesichts seines kunsthistorischen Werts vor dem örtlichen Bunker-Museum aufgestellt wurde. Weiterlesen

Lenin und die Opfer des Faschismus

Eine Stadt, die während meiner Recherche über deutsche Lenindenkmäler immer wieder auftauchte, ist Sassnitz. Im April 1917 hatte Lenin eine Nacht in dieser ostdeutschen Hafenstadt verbracht, um am nächsten Morgen die Fähre nach Schweden zu nehmen und die Reise nach Russland fortzusetzen. Anlässlich dieser historischen Durchfahrt entstanden hier in den 1960er und 1970er Jahren Lenin zu Ehren ein Gedenkstein, eine Büste und ein kleines Museum. Weiterlesen

Lenin in Forst Zinna

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Zwischen Luckenwalde und Jüterbog liegt das Naturschutzgebiet Forst Zinna-Jüterbog-Kellberg, in dem eine der dunkelsten Seiten der Geschichte der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland geschrieben wurde. Im Herzen dieser Waldung hatte die deutsche Armee im 19. Jahrhundert ein Militärübungsgelände errichtet, das in den 1930er Jahren von der Wehrmacht erweitert und nach dem II. Weltkrieg von den Rotarmisten übernommen wurde. Unter anderem diente die Anlage als Fahrschule für Kettenfahrzeuge. Weiterlesen

Zu Besuch bei Karl Marx

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Im Juni 1990 wurde die zu DDR-Zeiten erfolgte Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt rückgängig gemacht. Trotzdem ist Karl Marx auch heute noch eine prägende Figur des Stadtbilds, vor allem in Form einer 7,10 Meter hohen und 40 Tonnen schweren Büste. Sie steht vor einer Wandtafel mit mehrsprachiger Übersetzung des bekannten Ausspruches des Kommunistischen Manifests: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch“ und ist nach dem Lenin-Kopf im russischen Ulan-Ude die zweitgrößte Porträtbüste der Welt. Außer dem Nischel, wie die Plastik in Anlehnung an das sächsische Wort für „Kopf“ im Volksmund genannt wird, sind in Chemnitz noch weitere sozialistische Denkmäler zu sehen. Beim Flanieren durch die Stadt kann man auf Engels, Thälmann, antifaschistische Spanienkämpfer oder auch auf Lenin stoßen. Weiterlesen

Schiller vs. Lenin

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Dass Lenin auf irgendeine Weise in einem Wettbewerb oder Duell gegen Schiller antreten könnte, klingt nach einer Idee, auf die nur die britische Komikergruppe Monty Python kommen könnte, die in ihren humoristischen Sketchs gerne absurde Situationen wie etwa ein Fußballspiel zwischen deutschen und griechischen Philosophen darstellt. Aber so unglaubwürdig es auch erscheinen mag: In einer thüringischen Gemeinde kam es tatsächlich dazu, dass Schiller und Lenin um einen Platz auf einer örtlichen Wiese kämpfen mussten. Weiterlesen

Lenin und die zwölf Jünger der Oktoberrevolution

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Auf einer kleinen Grünfläche in Strausberg steht noch eine Steinplatte mit einem Reliefbild, das der kommunistischen Revolution 1917 gedenkt. Sie wurde am 22. April 1970 im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich Lenins 100. Geburtstag enthüllt. Um die zentrale Figur Lenins herum sieht man eine Gruppe von aufmerksamen Zuhörern, unter denen einige Soldaten und Matrosen zu erkennen sind. Lenin wird von zwölf Personen umgeben, was als Anspielung auf die Apostel Jesu gedeutet werden könnte, zumal die weltweite Ehrung des sowjetischen Helden häufig parallele Züge zur Würdigung Heiliger und konkret zur Darstellung Christi aufweist. In Wirklichkeit zeigt das Werk aber die historische Versammlung des 23. Oktobers 1917 (nach gregorianischem Kalender), die zur Vorbereitung der Revolution diente. Von den staatlichen Sicherheitskräften verfolgt, kehrte Lenin heimlich nach Petrograd zurück und traf sich mit 12 Mitgliedern des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei, um die Machtübernahme zu planen. Weiterlesen

Dornen

Dornen

An der Bundesstraße 96 kurz vor der Einfahrt nach Fürstenberg stehen zwei große Reliefwände als offenes und freizugängliches Überbleibsel der sowjetischen Besatzung. Es ist ein historisches Zeugnis zum Sehen, Lesen und Anfassen, an dem man die heroische Selbstdarstellung der Roten Armee als Siegermacht des II. Weltkriegs betrachten kann und an dem man so manches über die idealen Projektionen für die Nachkriegszeit erfahren kann. Das Monument ist verlassen und zerbröckelt vor sich hin, was wiederum viel über den aktuellen Umgang mit der ostdeutschen Vergangenheit aussagt: Von dem sowjetischen Heldentum möchte man nichts mehr wissen, auch nicht wenn es sich um die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus handelt. Immerhin hat man dieses Denkmal nicht dem Erdboden gleichgemacht, sodass sich auch heute noch Historiker, Flaneurs und neugierige Gemüter an ihm ergötzen können. Weiterlesen

Der weiße Lenin

White Lenin

Ein Berliner Touristenführer erklärte mir mal, er würde seine Gruppen von US-amerikanischen Besuchern als Allererstes zum Sowjetischen Ehrenmal bringen: „Damit sie sehen, dass man in Berlin das Unerwartbare erwarten kann.“ Tatsächlich ist die Gedenkstätte im Treptower Park aus westlicher Sicht befremdend, wenn nicht sogar ein bisschen bizarr: Das nationalistische Pathos und die kommunistische Symbolik entfalten sich mit großer Pracht und bilden ein Monument der Huldigung des sowjetischen Patriotismus, wie manch einer es im Herzen Europas am Anfang des XXI. Jahrhunderts vielleicht nicht mehr erwartet hätte. Weiterlesen