Im verlassenen Kleinmoskau

gekront

DEUTSCH

In jeder Ecke von Wünsdorf sind noch Überreste der sowjetischen Besatzung zu sehen. Schließlich befand sich hier die größte Garnison der Roten Armee außerhalb der Sowjetunion: Ein Territorium von 590 ha mit 1000 Gebäuden war von einer Betonmauer umgeben und für Deutsche komplett unzugänglich. Es lebten hier mehr als 50.000 sowjetische Soldaten und Zivilisten, und es fuhren täglich vom „Russischen Bahnhof“ Züge direkt nach Moskau. Die militärische Nutzung dieses Gebiets begann allerdings viel früher: Schon am Anfang des XX. Jahrhunderts wurde in Wünsdorf eine Infanterieschule eingerichtet. Während des III. Reichs erweiterte die Wehrmacht die Einrichtungen und benutzte sie unter anderem als Nachrichtenzentrale. Im Jahr 1945 marschierte die Rote Armee ein und kurze Zeit später etablierte sich hier das Oberkommando der sowjetischen Besatzungstruppen und weitete die Anlage aus, sodass außerhalb der ummauerten Zone auch noch eine Fläche von 6.200 ha für militärische Zwecke benutzt wurde. Zu DDR-Zeiten wurde Wünsdorf auch „Kleinmoskau“ genannt.

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen wurden einige Teile des riesigen Komplexes abgerissen und einige Gebäude wurden saniert (als Wohnhäuser oder als Sitz verschiedener lokalen Behörden), aber die große Mehrheit der alten Bauwerke und Übungsgelände wurde einfach verlassen und verfallen langsam in dieser historischen Kriegsbühne.

WandbildBis heute kann man im verlassenen Kleinmoskau noch verschiedene Spuren der Anwesenheit Lenins finden: Das wichtigste Überbleibsel ist die große Statue vor dem Haus der Offiziere an der Hauptallee, aber es gibt noch mehr. Vor dem verlassenen Gebäude des alten Kasinos steht nämlich eine zweite Leninstatue. Stark verwittert und von Flechten überzogen starrt hier Lenin in die Ferne. Sowohl der steinerne Sockel als auch die Statue sind in Verfall geraten und bilden zusammen mit dem heruntergekommenen Kasino im Hintergrund einen Anblick der Trostlosigkeit.

Das ist nicht alles: In einer Ecke der alten Bunkeranlage Zeppelin, einst Nachrichtenbunker des Oberkommandos des Deutsches Heeres und während des Kalten Kriegs von der Sowjetischen Armee reaktiviert, ist auch noch ein bronzener Kopf Lenins zu finden. Es ist nicht klar, ob es früher einfach eine Büste war oder ob hier jemand den sowjetischen Revolutionär geköpft hat… Wenigsten ist sein Kopf hier in höchster Sicherheit: Der Bunker ist nämlich resistent gegen atomare Waffen. Ansonsten kann man in der Infanterieschule, in deren Gebäude noch viele Hinterlassenschaften der Zeitung letzten sowjetischen Soldaten rumliegen (Kleidung, Musiknoten, ein Fußball, leere Wodkaflaschen oder Anweisungen zur Bedienung eines Maschinengewehrs), auch einige Abbildungen Lenins finden: alte politische Plakate, Bücher von bzw. über den sowjetischen Revolutionär, Zeitungsartikel und –fotos mit Referenzen zu Lenin oder eine große Wandtafel mit seinem Kopf im dunklen Heizkeller der Sauna. Gemäß der Inschrift diente die Tafel der Organisation der Arbeitsverteilung der Heizer. Direkt vor Lenin steht hier ein altes Schachbrett, wahrscheinlich um ihn vor der Langweile zu retten, schließlich war er in seinen jungen Jahren ein begeisterter Schachspieler.

ENGLISH

In abandoned Little-Moscow

Waiting for GodotIn every corner of the little town of Wünsdorf you can still find traces of the Soviet occupation. Here was located the biggest military area of the Red Army outside the Soviet Union: 590 hectares with 1000 buildings were surrounded by a wall of concrete, and completely inaccessible to the German population. More than 50 000 Soviet soldiers and civilians were living here and there were daily trains directly from the so called “Russian Station” to Moscow. But actually the military use of this territory began much earlier: In the beginning of the 20th century an infantry school was built here. During the III. Reich it was expanded by the Wehrmacht, who installed many important services here such as the intelligence headquarters. In 1945 the Red Army conquered this complex and a few months later the high command of the Soviet Forces in Germany moved to Wünsdorf and continued to expand the military area so that outside the large wall there were still 6.200 hectares for military training being used by the occupying forces. During the times of the GDR, Wünsdorf used to be called the “Little Moscow“.

After the Soviets left, some structures were demolished and some buildings were rehabilitated (as residential area or offices for different administration services), but most of the area was just abandoned and is decaying slowly in this historical war scenery.

 In the abandoned Little-Moskow you can also still find traces of the presence of Lenin. The most important remainder is the big statue in front of the Haus der Offiziere next to the Hauptallee, but actually there are more. In front of the abandoned Casino there is a second statue of Lenin. It stands here in quite a shabby state, on a pedestal, which is also falling apart, looking into infinity. Located in front of the decaying building of the casino, this figure is the embodiment of desolation.

That’s not all: In a corner of the old Zeppelin Bunker, former head intelligence bunker of the high Im Bunkercommand of the German Army, which would be reactivated by the Soviets during the Cold War, you can still find a head of Lenin made of bronze. It’s not clear if it used to be a bust or if someone decapitated a statue of the Soviet revolutionary icon… At least his head is in a safe place now: the bunker is resistant to nuclear weapons. Apart from that, there is the former infantry school, where you still can find a lot of belongings left behind by the last Soviet soldiers (clothes, music sheet, a soccer ball, empty bottles of vodka or instructions for a machine-gun) and also some representations of Lenin in old political posters, in books written by or about him, newspaper articles and photos or a big information panel with a huge image of his head in the dark heating room behind the sauna. This panel served for the assignment of activities of the heating staff. Directly in front of Lenin there is a chessboard, which could help him to find some entertainment, since he used to be an enthusiastic chess-player in his youth.

Roter Stern

Russische Schule

20141005_151345

Forgotten L.-70

IMG_4775-77

Tafel-80

Schachbrett-77

Poster

inthesnow

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s