Großvater Lenin

Der sitzende Lenin aus Bischofswerda wirkt großväterlich. Mit entspannter Körperhaltung und einem besonnenen Lächeln guckt er nachdenklich zur Seite. In seiner linken Hand hält er ein Buch und markiert mit seinem Zeigefinger die Seite, als würde er nach einer kurzen Denkpause gleich weiterlesen wollen. Im Gegensatz zu vielen heroischen Darstellungen Lenins schuf Manfred Wagner 1970 eine gelassene, reflexive Figur. Dem Schmöllner Steinbildhauermeister ging es darum, den Menschen hinter dem Helden zu präsentieren. Weiterlesen

Vogelsanger Lenin vor dem Abriss gerettet

Nachdem die Rote Armee ihren Stützpunkt im brandenburgischen Vogelsang verlassen hatte, entwickelte sich die verwahrloste Kaserne zu einem beliebten Ziel für abenteuerlustige Fotografen und Neugierige. Die bekannteste Sehenswürdigkeit war das große Wandbild mit einem überlebensgroßen Leninrelief zwischen dem alten Café und dem Haus der Offiziere. Doch infolge des Beschlusses das Areal zu renaturieren, begannen vor einigen Jahren die Abrissarbeiten des gesamten Militärkomplexes, die auch das Lenindenkmal gefährdeten. Das Denkmal des kommunistischen Revolutionärs konnte jedoch im Frühling 2017 gerettet werden: Es wurde nach Wünsdorf gebracht und vor dem Museum Roter Stern aufgestellt. Weiterlesen

Damnatio memoriae

lenin_in_wittstock

Die verlassene GSSD-Kaserne in Wittstock ist zu einer Geisterstadt geworden. Ganze Wohnblocks, Schulen, Bürogebäuden und Flugzeughallen zerbröckeln vor sich hin. Vor dem ehemaligen Kulturzentrum bietet sich ein kontrastreiches Bild: Lenin steht da in staatsmännischer Pose, aber von Flechten bedeckt und mit zertrümmertem Haupt. Der genaue Hintergrund dieser Beschädigung ist unbekannt, aber das Ansehen des kopflosen Lenins ist auf jeden Fall eine musterhafte Verkörperung der Verwahrlosung der ostdeutschen Denkmallandschaft. Weiterlesen

Lenin in Forst Zinna

the-look

 

Zwischen Luckenwalde und Jüterbog liegt das Naturschutzgebiet Forst Zinna-Jüterbog-Kellberg, in dem eine der dunkelsten Seiten der Geschichte der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland geschrieben wurde. Im Herzen dieser Waldung hatte die deutsche Armee im 19. Jahrhundert ein Militärübungsgelände errichtet, das in den 1930er Jahren von der Wehrmacht erweitert und nach dem II. Weltkrieg von den Rotarmisten übernommen wurde. Unter anderem diente die Anlage als Fahrschule für Kettenfahrzeuge. Weiterlesen

Vor dem Würstchen-Imbiss

Red Lenin

Obwohl der Stil des sowjetischen Realismus, der die öffentlichen Denkmäler mit politischer Relevanz im gesamten Ostblock prägte, nicht gerade für seine Mannigfaltigkeit bekannt war, so ist es doch erstaunlich, in wie vielen verschiedenen Formen man Lenin hat darstellen können. Bei der über 3 Meter hohen Eberswalder Leninstatue aus rotem Granit wird die sonst im Vordergrund stehende Rolle des starken Staatsmanns nicht besonders pathetisch hervorgehoben, sondern man sieht einen etwas träumerischen Denker: Mit einer Hand in der Rocktasche und der anderen am Revers verliert sich Lenins Blick in der Ferne. Er trägt die für ihn charakteristische schwedische Fischersmütze, die er 1917 während seines kurzen Aufenthalts in Stockholm kaufte, als er nach dem langen Exil nach Russland zurückkehrte, und sieht ein bisschen dicker aus, als man es von anderen Darstellungen gewöhnt ist. Von den unverkennbaren Gesichtszügen abgesehen, könnte es genauso gut die Figur eines skandinavischen Fischers sein, der auf das weite Meer hinausschaut… Weiterlesen

Rote Nelken für Lenin

Lenin in Nohra

Seit dem XIX. Jahrhundert gelten rote Nelken als Symbol der Arbeiterbewegung: Damals wurden sie in Frankreich und Deutschland bei verbotenen Versammlungen im Knopfloch getragen. Zur Zeit der UdSSR wurden sie zu einem wichtigen sozialistischen Wahrzeichen in ganz Osteuropa. An Festtagen legte man sie – und legt sie auch heute noch – am Grab im Krieg gefallener Soldaten oder an Denkmälern verehrter Helden nieder. In Nohra fanden wir an einem sonnigen Frühlingstag auch vor der Statue Lenins rote Nelken liegen. Allerdings waren es keine echten, sondern Plastikblumen – sie sind billiger und halten länger. Weiterlesen

Gelbes Mosaik vor dunkelgrauer Geräuschkulisse

smilinglenin

DEUTSCH

Gelbes Mosaik vor dunkelgrauer Geräuschkulisse

Während des Dritten Reiches erbaut, von der Roten Armee übernommen, Anfang der 90er Jahre verlassen. Die in Ostdeutschland wohl bekannte chronologische Sequenz trifft auch auf das Militärgelände am Flugplatz in Brand zu, heute eine von vielen verwahrlosten Anlagen der sowjetischen Streitkräfte auf deutschem Boden. Seit 1992 wird der Komplex nicht mehr benutzt, und wenn man durch seine einsamen Wege herumirrt, fühlt man sich wie in einem Gruselfilm. Überall sind Ruinen und auch gut erhaltene aber komplett leer geräumte Wohnblocks zu sehen, die langsam von den heranwachsenden Bäumen verschleiert werden. Die Geräuschkulisse, die dieses Szenario des Verfalls begleitet, ist besonders beängstigend: Fenster knirschen, Deckenplatten schaukeln quietschend hin und her, immer wieder knallt eine Tür – die Geisterstadt findet keine Ruhe! Inmitten dieser unheimlichen Atmosphäre ist das im westlichen Teil der Anlage liegende Mosaikbild Lenins, eine Oase der Munterkeit. Die starken Farben, die harmonische gelbblaue Kombination und der freundliche Gesichtsausdruck des kommunistischen Führers stehen hier in einem klaren Kontrast zur düsteren Umgebung. Weiterlesen