Lenin und die zwölf Jünger der Oktoberrevolution

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Auf einer kleinen Grünfläche in Strausberg steht noch eine Steinplatte mit einem Reliefbild, das der kommunistischen Revolution 1917 gedenkt. Sie wurde am 22. April 1970 im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich Lenins 100. Geburtstag enthüllt. Um die zentrale Figur Lenins herum sieht man eine Gruppe von aufmerksamen Zuhörern, unter denen einige Soldaten und Matrosen zu erkennen sind. Lenin wird von zwölf Personen umgeben, was als Anspielung auf die Apostel Jesu gedeutet werden könnte, zumal die weltweite Ehrung des sowjetischen Helden häufig parallele Züge zur Würdigung Heiliger und konkret zur Darstellung Christi aufweist. In Wirklichkeit zeigt das Werk aber die historische Versammlung des 10. Oktobers 1917 (nach dem gregorianischen Kalender), die zur Vorbereitung der Revolution diente. Von den staatlichen Sicherheitskräften verfolgt, kehrte Lenin heimlich nach Petrograd zurück und traf sich mit 12 Mitgliedern des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei, um die Machtübernahme zu planen.

Von Weitem wirkt die an einer Betonstele angebrachte Tafel wie ein unscheinbares Werk des sozialistischen Realismus, aber wenn man sich dem Relief nähert, kann man von einigen beeindruckenden Details und visuellen Effekten überrascht werden.Relevo em parque-66 Während die meisten Figuren – auch Lenin und, rechts von ihm, Trotzki – einfach und prosaisch dargestellt sind, sehen einige Gestalten  geheimnisvoll aus. Vor allem die links von Lenin stehende Figur hat ein gespenstisches Aussehen und ähnelt eher der Verkörperung eines Geistes aus einer schaurigen Erzählung Gogols als einem kommunistischen Revolutionär. Aber auch andere Figuren haben etwas Rätselhaftes: So könnte das runde Gesicht hinten links ein rudimentäres Abbild eines Außerirdischen sein und der lächelnde Soldat im Vordergrund passt irgendwie auch nicht richtig ins Bild. Inmitten von Personen mit ernster Miene steht er da mit seinem frechen Grinsen und schielenden Augen und man fragt sich, ob nicht die vom tschechischen Schriftsteller Jaroslav Hasek geschöpfte satirische Figur des Soldaten Schwejks sich heimlich in das Reliefbild hineingeschmuggelt hat.

Sind all diese beunruhigenden Elemente nur zufällige Erscheinungen in einer naiven künstlerischen Darstellung oder vielleicht eine bewusste Einladung zum Fantasieren? Das wird sich wahrscheinlich nie herausstellen können, denn der Schöpfer dieses Denkmals – der Bildhauer Axel Schulz – ist 2012 verstorben, ohne die Einzelheiten dieses Reliefensembles öffentlich erläutert zu haben.

 

ENGLISH

Lenin and the twelve disciples of the October Revolution

In a small park in Strausberg there is still standing a stone slab with a relief reminding the Communist Revolution in 1917. It was unveiled in April of 1970 on the occasion of Lenins 100th birthday. Around the central figure of Lenin there is a group of attentive listeners, including some soldiers and seaman recruits. Lenin is surrounded by exactly 12 persons, which could be seen as an allusion to Jesus’ apostles, particularly having in account that the honors to the Soviet hero often show parallel features to the worship of saints and concretely to the representation of Jesus Christ. In reality the image shows the historical meeting of the 10th October of 1917 (after the Gregorian calendar), which served as preparation for the revolution. Persecuted by the authorities, Lenin managed to return secretly to Petrograd and met 12 members of the Central Committee of the Bolshevik party, in order to plan the seizure of power.

Mount Rushmore-66From far away the panel looks like an inconspicuous work of the Socialist Realism, but if you come nearer, you can find some impressing details and surprising visual effects. While most of the figures, including Lenin and Trotzky (on his right side), are represented in a rather simple way, there are also characters, which look quite enigmatic or even scary. Especially the man standing on the left side of Lenin has got a creepy look and seems more a ghost of a spooky tale of Gogol than a Communist revolutionary. But there are more mysterious figures: The round face in the background could be the primitive representation of an alien and the smiling soldier in the inferior part doesn’t really fit in the image either. In the middle a group of persons with a serious face expression, he is standing there with a naughty smile and his squinting eyes and one wonders if the brave soldier Swejk, the satirical character created by the Czech author Jaroslav Hasek, secretly sneaked in the relief.

Are all these disturbing elements just casual appearances in a naïf artistic representation or maybe a conscientious invitation to the fantasy of the viewers? Probably we will never be able to find out, since the author of this monument – the East-German sculptor Axel Schulz – died in 2012 without having given any public explanation about it.

 

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