The big windowpane

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3HUWhen he was young, Lenin had to read and investigate in far stranger places than a university library. From December 1895 until February 1897 he stayed 14 month in a remand prison accused of political agitation, so he had to carry on with his researches behind bars. It’s been told that his first political essays were written there with invisible ink. In February 1897 he was proscribed for three years to the little town of Shushenskoje in Eastsibira (approximately 600 km from the nearest train station), where he set up a little study-room in the little house, in which he lived under constant surveillance of the police, with the purpose of continuing his investigations and his own writings. But it wasn’t until 1900, when he left Russia and began his European exile, that he was able to return to his routine of visiting libraries, in order to work quietly among the smell of old books.

But before he was arrested, he traveled to Berlin in the summer of 1895 and during his visit he went often to the big reading-room of the former Royal Library, where he studied the work of Karl Marx and Friedrich Engels and wrote a resume of their book The holy Family. In order to honor his stopovers at the reading room, it would be renamed to “Lenin-room” during the GDR-regime and decorated with a big windowpane with the figures of Lenin, Marx and Engels made by the artist Frank Glaser in 1968. Next to the three socialist icons there are several smaller images, that show Lenin in different contexts: studying among books, going to a demonstration under a waving red flag, talking to workers and intellectuals or in the middle of an armed revolutionary group.

Now this location has become the library of the Faculty of Law of the Humboldt University. Though the windowpane survived the big wave of removal of Lenin-figures, one hears discontented voices about the presence of the soviet revolutionary in this central and significant spot. In an article published the 22th of May of 2012 this window is compared to monuments of the Third Reich and the author asks outraged: “Lenins figure is the symbol of injustice. Shall he be there, where students learn what a constitutional democracy is?”

(In the Humboldt University there is a second window with the figure of Lenin.)

DEUTSCH

Das große Glasmalerei-Fenster

HU_unter_gelehrtenIn seiner Jugend hat Lenin für seine Forschungen  zum größten Teil ungewöhnlichere Orte besuchen müssen als eine Universitäts-Bibliothek. Er saß von Dezember 1895 bis Februar 1897 wegen Anklage der Agitation in Untersuchungshaft und sah sich gezwungen, seine Recherchen im Gefängnis voranzutreiben. Dort soll er manche von seinen ersten politischen Schriften mit unsichtbarer Tinte verfasst haben. Im Februar 1897 wurde er dann für drei Jahre in das Dorf Schuschenskoje in Ostsibirien verbannt (etwa 600 km vom nächstliegenden Bahnhof entfernt), wo er in einem kleinen Haus und unter Polizeiaufsicht sein eigenes Studierzimmer einrichtete, um sich weiterzubilden und die Niederschrift seiner politischen Ansichten fortzusetzen. Erst als er im Juli 1900 Russland verließ und sein Exilleben antrat, durfte Lenin wieder regelmäßig Bibliotheken frequentieren, um dort in Ruhe zu arbeiten.

Aber noch bevor er verhaftet wurde, reiste Lenin im Sommer 1895 nach Berlin und suchte während seines Aufenthalts oft den Großen Lesesaal der damaligen Königlichen Bibliothek auf, wo er sich den Werken von Karl Marx und Friedrich Engels widmete und einen Konspekt zu ihrem Werk Die heilige Familie, oder Kritik der kritischen Kritik verfasste. Seinen Aufenthalten zur Ehre wurde der Lesesaal zu DDR-Zeiten in „Leninsaal“ unbenannt und mit einem großen 1968 eingeweihten Glasmalerei-Fenster des Künstlers Frank Glaser verziert, auf dem Lenin, Marx und Engels zu sehen sind. Neben den drei großen Figuren gibt es einige kleinere Bilder, die Lenin in verschiedenen Kontexten zeigen: bei seinen Forschungen zwischen Büchern, auf einer Demonstration unter wehender roter Fahne, im Gespräch mit Arbeitern und Gelehrten oder inmitten einer Gruppe bewaffneter Revolutionäre.

Heute ist der Saal die Bibliothek der Juristischen Fakultät der Humboldt Universität, und obwohl das Fenster die große Fase der Beseitigung von Leninfiguren überlebt hat, so gibt es viele Stimmen der Unzufriedenheit bezüglich des Daseins des sowjetischen Revolutionärs an solch einer zentralen und bedeutenden Stelle. In einem Artikel der Berliner Zeitung vom 22.05.2012 wird dieses Fenster mit Denkmälern des Dritten Reichs verglichen und der Autor fragt sich empört: „[Lenins] Bild ist Symbol des Unrechts. Soll es dort hängen, wo Studenten lernen, was ein Rechtsstaat ist?“

(In der Humboldt Universität gibt es auch noch ein zweites Fenster mit Lenins Abbild.)

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