Lenin, Marx und Engels formten zu DDR-Zeiten ein allgegenwärtiges Triumvirat des Sozialismus, heutzutage sind sie auf deutschem Territorium jedoch kaum gemeinsam vorzufinden. Eine Ausnahme ist das Gelände des ehemaligen Flugplatzes in Köthen: An einer großen Halle kann man noch ihre Abbildungen als simple zweifarbige Wandbilder sehen. Weiterlesen
Schlagwort: Kaserne
Vor dem Würstchen-Imbiss
Obwohl der Stil des sowjetischen Realismus, der die öffentlichen Denkmäler mit politischer Relevanz im gesamten Ostblock prägte, nicht gerade für seine Mannigfaltigkeit bekannt war, so ist es doch erstaunlich, in wie vielen verschiedenen Formen man Lenin hat darstellen können. Bei der über 3 Meter hohen Eberswalder Leninstatue aus rotem Granit wird die sonst im Vordergrund stehende Rolle des starken Staatsmanns nicht besonders pathetisch hervorgehoben, sondern man sieht einen etwas träumerischen Denker: Mit einer Hand in der Rocktasche und der anderen am Revers verliert sich Lenins Blick in der Ferne. Er trägt die für ihn charakteristische schwedische Fischersmütze, die er 1917 während seines kurzen Aufenthalts in Stockholm kaufte, als er nach dem langen Exil nach Russland zurückkehrte, und sieht ein bisschen dicker aus, als man es von anderen Darstellungen gewöhnt ist. Von den unverkennbaren Gesichtszügen abgesehen, könnte es genauso gut die Figur eines skandinavischen Fischers sein, der auf das weite Meer hinausschaut… Weiterlesen
Rote Nelken für Lenin
Seit dem XIX. Jahrhundert gelten rote Nelken als Symbol der Arbeiterbewegung: Damals wurden sie in Frankreich und Deutschland bei verbotenen Versammlungen im Knopfloch getragen. Zur Zeit der UdSSR wurden sie zu einem wichtigen sozialistischen Wahrzeichen in ganz Osteuropa. An Festtagen legte man sie – und legt sie auch heute noch – am Grab im Krieg gefallener Soldaten oder an Denkmälern verehrter Helden nieder. In Nohra fanden wir an einem sonnigen Frühlingstag auch vor der Statue Lenins rote Nelken liegen. Allerdings waren es keine echten, sondern Plastikblumen – sie sind billiger und halten länger. Weiterlesen
Gelbes Mosaik vor dunkelgrauer Geräuschkulisse
DEUTSCH
Gelbes Mosaik vor dunkelgrauer Geräuschkulisse
Während des Dritten Reiches erbaut, von der Roten Armee übernommen, Anfang der 90er Jahre verlassen. Die in Ostdeutschland wohl bekannte chronologische Sequenz trifft auch auf das Militärgelände am Flugplatz in Brand zu, heute eine von vielen verwahrlosten Anlagen der sowjetischen Streitkräfte auf deutschem Boden. Seit 1992 wird der Komplex nicht mehr benutzt, und wenn man durch seine einsamen Wege herumirrt, fühlt man sich wie in einem Gruselfilm. Überall sind Ruinen und auch gut erhaltene aber komplett leer geräumte Wohnblocks zu sehen, die langsam von den heranwachsenden Bäumen verschleiert werden. Die Geräuschkulisse, die dieses Szenario des Verfalls begleitet, ist besonders beängstigend: Fenster knirschen, Deckenplatten schaukeln quietschend hin und her, immer wieder knallt eine Tür – die Geisterstadt findet keine Ruhe! Inmitten dieser unheimlichen Atmosphäre ist das im westlichen Teil der Anlage liegende Mosaikbild Lenins, eine Oase der Munterkeit. Die starken Farben, die harmonische gelbblaue Kombination und der freundliche Gesichtsausdruck des kommunistischen Führers stehen hier in einem klaren Kontrast zur düsteren Umgebung. Weiterlesen
Auf Hitlers rotem Granit
DEUTSCH
Von der Höhe seines rötlichen Sockels schaut Lenin mit ernster Miene auf den verlassenen Sportplatz, der auch als Appellplatz diente. Einst marschierten hier regelmäßig hunderte von Soldaten mit adretten Uniformen und begrüßten ihren Helden mit Würde und Respekt, aber jetzt kann sich der kommunistische Revolutionär nur noch an die Bäume und Büsche wenden. Die gesamte Anlage ist ein Zeugnis der Vergessenheit, aus dem immerhin noch ein leichter Schimmer vom fernliegenden Glanz des Hauptquartiers des sowjetischen Oberkommandos in Deutschland wahrzunehmen ist. Weiterlesen
Im verlassenen Kleinmoskau
DEUTSCH
In jeder Ecke von Wünsdorf sind noch Überreste der sowjetischen Besatzung zu sehen. Schließlich befand sich hier die größte Garnison der Roten Armee außerhalb der Sowjetunion: Ein Territorium von 590 ha mit 1000 Gebäuden war von einer Betonmauer umgeben und für Deutsche komplett unzugänglich. Es lebten hier mehr als 50.000 sowjetische Soldaten und Zivilisten, und es fuhren täglich vom „Russischen Bahnhof“ Züge direkt nach Moskau. Die militärische Nutzung dieses Gebiets begann allerdings viel früher: Schon am Anfang des XX. Jahrhunderts wurde in Wünsdorf eine Infanterieschule eingerichtet. Während des III. Reichs erweiterte die Wehrmacht die Einrichtungen und benutzte sie unter anderem als Nachrichtenzentrale. Im Jahr 1945 marschierte die Rote Armee ein und kurze Zeit später etablierte sich hier das Oberkommando der sowjetischen Besatzungstruppen und weitete die Anlage aus, sodass außerhalb der ummauerten Zone auch noch eine Fläche von 6.200 ha für militärische Zwecke benutzt wurde. Zu DDR-Zeiten wurde Wünsdorf auch „Kleinmoskau“ genannt. Weiterlesen
Lenin in der Todeszelle
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Vogelsang, der Name klingt poetisch und tatsächlich ist die Landschaft in der Umgebung dieses kleinen Dorfes in Oberhavel mit nur 100 Einwohnern sehr idyllisch. Der ringsum befindliche Wald mit seinen unendlich hohen Bäumen hat etwas Märchenhaftes und verbirgt manch eine geheimnisvolle Überraschung. Wenn man vom Dorf aus einige Minuten in Richtung Norden wandert, trifft man auf die Ruinen eines einsamen und verfallenen Militärgebiets. Zu Zeiten der DDR war es einer der wichtigsten Stützpunkte der sowjetischen Streitkräfte an der Grenze zum Gebiet der NATO-Länder. Es lebten hier bis zu 15.000 Soldaten und Zivilisten, und wie sich später herausstellte, waren in Vogelsang während des Aufrüstungswettbewerbs im Kalten Krieg – gegen Ende der 50er Jahre – sogar Nuklearraketen stationiert, um im Ernstfall London und Paris anzugreifen. Die Sprengköpfe kamen nie zum Einsatz und nach fast 40-jähriger Benutzung wurde die Garnison im Jahre 1994 verlassen. Sie führte dann noch zwei Jahrzehnte lang eine Existenz als exotische, alternative und wegen vorhandener Munitionsreste strengst verbotene, folglich umso anlockendere, Touristenattraktion. Weiterlesen
Panzerkaserne Bernau
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Von den zentralen Punkten der Hauptstadt ausgewiesen, muss sich Lenin in abgelegenen Ruinen herumtreiben. In Bernau liegen zwei Geländer und Gebäudekomplexe, die während des Dritten Reichs das Hauptquartier des Heeresbekleidungsamts waren und nach dem Krieg von den Streitkräften der Roten Armee besetzt wurden. Als Letztes weilte hier die 90. Garde-Panzerdivision, die im Rahmen des sowjetischen Abzugs im Jahr 1993 die Anlagen verließ. Seitdem stehen sie leer: Wo einst eine Eisenbahnlinie vorbeizog, damit man per Zug die schicksten Uniformen oder die modernsten Waffen so schnell wie möglich ausliefern konnte, machen sich jetzt Bäume und Sträucher breit. Und die Räumlichkeiten, in denen sowjetische Generäle einst darüber diskutierten, wie ein dritter Weltkrieg verlaufen könnte, sind dem Verfall überlassen, es herrscht eine Todesstille, die nur unterbrochen wird, wenn man in der Ferne Schritte hört, von denen man nicht weiß, ob sie das Echo der eigenen oder vielleicht die eines zurückgelassenen Soldaten sind… Weiterlesen







