Das verwitterte Wandbild

Was einst ein Seitenporträt Lenins war, ist heute nicht viel mehr als ein großer, verschwommener Fleck auf weißem Hintergrund. Lenin und das gesamte Wandbild sind 30 Jahre nach dem Abmarsch der Sowjetarmee kaum noch zu erkennen. Die feuchte Meeresluft beschleunigt den Zerfall und löscht allmählich diese Ehrung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und des Helden der Oktoberrevolution direkt an der Ostsee.

Liste_PuetnitzDas Wandbild befindet sich auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Pütnitz, einem Ortsteil von Ribnitz-Damgarten. 1936 als Fliegerschule eingeweiht, wurde der Komplex 1952 von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland übernommen und beherbergte bis 1994 verschiedene Einheiten der 16. Luftarmee. Inzwischen steht der östliche Teil der Anlage verlassen, während die westlichen Hangars vom Technik-Museum Pütznitz genutzt werden und dementsprechend für Besucher zugänglich sind.

Nicht weit von den Hallen des Technik-Museums ist ein großes Gebäude aus Backstein erhalten. Alle Fenster und Türen sind zugemauert. An einer Seitenfassade ist das verblasste Wandbild mit Lenin zu sehen. Es ist von einem roten Kreis mit einem Ährenkranz und dem kommunistischen Symbol Hammer und Sichel gekrönt. Darunter steht die Losung Ruhm der KPdSU“ in kyrillischen Buchstaben. Ganz unten sind fünf rechteckige Bilder zu erahnen, von denen man jedoch fast nichts mehr entziffern kann. In der Mitte stehen die Daten 1870-1970, vermutlich eine Erinnerung an Lenins 100. Geburtstag, und rechts davon ist – mit viel Vorstellungskraft – noch das Seitenporträt des Revolutionsführers zu erkennen.

Interessanterweise gibt es auf dem Flugplatz noch eine weitere sowjetische Spur mit Bezug auf Lenin: In einem Hangar der Dauerausstellung des Technik-Museums ist ein an die Wand geschriebenes Zitat Lenins auf Russisch vorzufinden: „Derjenige, der die beste Technik, Organisation, Disziplin und die beste Maschinerie hat, gewinnt.“ Dieser Satz befindet sich im Inneren der Halle und daher in einem wesentlich besseren Erhaltungszustand. Sowohl in der Ausstellung als auch im verlassenen Teil der Anlage kann man noch mehr Zeugnisse und Hinterlassenschaften der Sowjets finden. In der verwahrlosten Sperrzone gibt es einige Wandbilder und eine heruntergekommene Reliefsreihe sowjetischer Armeehelden zu entdecken, während man im Museum sogar alte sowjetische Panzer und Hubschrauber besichtigen kann.

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