Fritz Cremers Leninbüste

Lenin schaut nach vorne, aber diesmal ist es nicht der gewohnte siegessichere Blick des Revolutionshelden. Die Porträtbüste des renommierten Bildhauers Fritz Cremer präsentiert einen reflexiven, vielleicht sogar besorgten Lenin. Worüber er sich Gedanken oder Sorgen macht, ist dem Betrachter überlassen.

Fritz Cremer (1906–1993) zog 1950 in die DDR, wo er zwischen 1974 und 1983 Vizepräsident der Akademie der Künste war. In seinem Werk stehen oft seelische Abgründe und tiefe Gefühlszustände im Vordergrund. Mit seinen politischen Skulpturen hat sich Cremer sowohl mit der NS-Grausamkeit auseinandergesetzt als auch vielen der kommunistischen Ikonen gehuldigt, wie Karl Marx oder Bertolt Brecht. Lenin wurde allerdings nur einmal zum Motiv eines seiner Kunstwerke und zwar 1970 bei der Schöpfung dieser 14 Kilo schweren Bronzeplastik.

Dieses Projekt wurde zum 100. Geburtstag Lenins von einigen DDR-Politgrößen, wie Heinz Hoffmann, Paul Wandel und Helene Berg, initiiert und mitfinanziert. Jeder von ihnen hatte einen persönlichen Bezug zur westdeutschen Stadt Mannheim, was wohl erklärt, warum die in der DDR geschaffene Büste als Geschenk an die örtliche DKP-Zentrale gegeben wurde. Im Jahr 1997 entschied sich die DKP für eine Dauerleihgabe der Skulptur an die Kunsthalle Mannheim, wo sie zusammen mit den Bronzebüsten des Dichters Friedrich Schiller (von Karl Ostertag) und des Malers Oskar Kokoschka (von Alfred Hrdlicka) ausgestellt ist.

Foto: Kunsthalle Mannheim / Rainer Diehl

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