Damnatio memoriae

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Die verlassene GSSD-Kaserne in Wittstock ist zu einer Geisterstadt geworden. Ganze Wohnblocks, Schulen, Bürogebäuden und Flugzeughallen zerbröckeln vor sich hin. Vor dem ehemaligen Kulturzentrum bietet sich ein kontrastreiches Bild: Lenin steht da in staatsmännischer Pose, aber von Flechten bedeckt und mit zertrümmertem Haupt. Der genaue Hintergrund dieser Beschädigung ist unbekannt, aber das Ansehen des kopflosen Lenins ist auf jeden Fall eine musterhafte Verkörperung der Verwahrlosung der ostdeutschen Denkmallandschaft. Weiterlesen

Im Schatten der Berliner Mauer

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Als die Alliierten die innerdeutsche Grenzlinie zogen, wurde Spandau West-Berlin zugeordnet, während die angrenzende Stadt Falkensee Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde. Als Jahre später die Grenze geschlossen wurde, verlief das Leben in Falkensee wortwörtlich im Schatten der Berliner Mauer. Nach der Wiedervereinigung wollte man  die Vergangenheit des hier besonders prägenden Lebens im geteilten Deutschland nicht einfach in Vergessenheit geraten lassen, sodass man, im Gegensatz zu dem, was in vielen anderen Städten passierte, einige Denkmäler und Elemente des sozialistischen Alltags aufbewahrte. So kommt es, dass auch heute noch die Büsten von Karl Marx und Lenin im Hintergarten des örtlichen Heimatmuseums in einem sehr guten Erhaltungszustand zu sehen sind. Hinter ihnen steht ein authentisches Stück des in der DDR so bezeichneten „antifaschistischen Schutzwalls“. Weiterlesen

Lenin in der Schweiz

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Während der letzten Exil-Monate vor seiner Rückkehr nach Russland, wo Lenin die Oktoberrevolution anführte, wohnte er in Zürich. Hier verbrachte er die meiste Zeit in den Bibliotheken und versammelte sich regelmäßig mit anderen im Exil lebenden Russen. Am Wochenende soll er gerne mit seiner Frau, Nadeschda Krupskaja, Ausflüge zum Zürichberg unternommen haben. In dieser Zeit verfasste er das Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, eine von seinen wichtigsten Schriften. Weiterlesen

Lenin in Forst Zinna

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Zwischen Luckenwalde und Jüterbog liegt das Naturschutzgebiet Forst Zinna-Jüterbog-Kellberg, in dem eine der dunkelsten Seiten der Geschichte der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland geschrieben wurde. Im Herzen dieser Waldung hatte die deutsche Armee im 19. Jahrhundert ein Militärübungsgelände errichtet, das in den 1930er Jahren von der Wehrmacht erweitert und nach dem II. Weltkrieg von den Rotarmisten übernommen wurde. Unter anderem diente die Anlage als Fahrschule für Kettenfahrzeuge. Weiterlesen

Lenins Kopf

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Die abgeschlagenen Köpfe/ der Statuen beweisen nicht das Vergessen. Gelöschte Inschriften/ sind unbesieglich. Diese Verse des Dichters Günter Kunert wurden am Tag der Eröffnung der Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler” in der Zitadelle Spandau vom Historiker Andreas Nachama rezitiert und passen sehr gut zur Geschichte des Hauptexponats: der 2 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Leninkopf. Aus der Berliner Stadtmitte verbannt und im Wald begraben, erlebte der sowjetische Revolutionär anlässlich dieser Ausstellung ein spektakuläres Comeback, bei dem er in den Medien wie ein Popstar gefeiert wurde. Weiterlesen

Vor dem Würstchen-Imbiss

Red Lenin

Obwohl der Stil des sowjetischen Realismus, der die öffentlichen Denkmäler mit politischer Relevanz im gesamten Ostblock prägte, nicht gerade für seine Mannigfaltigkeit bekannt war, so ist es doch erstaunlich, in wie vielen verschiedenen Formen man Lenin hat darstellen können. Bei der über 3 Meter hohen Eberswalder Leninstatue aus rotem Granit wird die sonst im Vordergrund stehende Rolle des starken Staatsmanns nicht besonders pathetisch hervorgehoben, sondern man sieht einen etwas träumerischen Denker: Mit einer Hand in der Rocktasche und der anderen am Revers verliert sich Lenins Blick in der Ferne. Er trägt die für ihn charakteristische schwedische Fischersmütze, die er 1917 während seines kurzen Aufenthalts in Stockholm kaufte, als er nach dem langen Exil nach Russland zurückkehrte, und sieht ein bisschen dicker aus, als man es von anderen Darstellungen gewöhnt ist. Von den unverkennbaren Gesichtszügen abgesehen, könnte es genauso gut die Figur eines skandinavischen Fischers sein, der auf das weite Meer hinausschaut… Weiterlesen