Lenins Kopf

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Die abgeschlagenen Köpfe/ der Statuen beweisen nicht das Vergessen. Gelöschte Inschriften/ sind unbesieglich. Diese Verse des Dichters Günter Kunert wurden am Tag der Eröffnung der Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler” in der Zitadelle Spandau vom Historiker Andreas Nachama rezitiert und passen sehr gut zur Geschichte des Hauptexponats: der 2 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Leninkopf. Aus der Berliner Stadtmitte verbannt und im Wald begraben, erlebte der sowjetische Revolutionär anlässlich dieser Ausstellung ein spektakuläres Comeback, bei dem er in den Medien wie ein Popstar gefeiert wurde. Weiterlesen

In der ehemaligen Sowjetischen Botschaft

Weisser_Lenin

In den Einrichtungen der ehemaligen Sowjetischen Botschaft in Berlin wurden zu DDR-Zeiten zwei Lenindenkmäler errichtet: eine weiße Leninbüste im Vorgarten der Botschaft und ein kupfernes Relief an der Außenwand der Schwimmhalle direkt hinter dem Hauptgebäude. Nach der Wende erfuhren sie ganz unterschiedliche Schicksale. Weiterlesen

Zu Besuch bei Karl Marx

Lenin_in_Chemnitz

 

Im Juni 1990 wurde die zu DDR-Zeiten erfolgte Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt rückgängig gemacht. Trotzdem ist Karl Marx auch heute noch eine prägende Figur des Stadtbilds, vor allem in Form einer 7,10 Meter hohen und 40 Tonnen schweren Büste. Sie steht vor einer Wandtafel mit mehrsprachiger Übersetzung des bekannten Ausspruches des Kommunistischen Manifests: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch“ und ist nach dem Lenin-Kopf im russischen Ulan-Ude die zweitgrößte Porträtbüste der Welt. Außer dem Nischel, wie die Plastik in Anlehnung an das sächsische Wort für „Kopf“ im Volksmund genannt wird, sind in Chemnitz noch weitere sozialistische Denkmäler zu sehen. Beim Flanieren durch die Stadt kann man auf Engels, Thälmann, antifaschistische Spanienkämpfer oder auch auf Lenin stoßen. Weiterlesen

Schiller vs. Lenin

Lernen

Dass Lenin auf irgendeine Weise in einem Wettbewerb oder Duell gegen Schiller antreten könnte, klingt nach einer Idee, auf die nur die britische Komikergruppe Monty Python kommen könnte, die in ihren humoristischen Sketchs gerne absurde Situationen wie etwa ein Fußballspiel zwischen deutschen und griechischen Philosophen darstellt. Aber so unglaubwürdig es auch erscheinen mag: In einer thüringischen Gemeinde kam es tatsächlich dazu, dass Schiller und Lenin um einen Platz auf einer örtlichen Wiese kämpfen mussten. Weiterlesen

Lenin und die zwölf Jünger der Oktoberrevolution

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Auf einer kleinen Grünfläche in Strausberg steht noch eine Steinplatte mit einem Reliefbild, das der kommunistischen Revolution 1917 gedenkt. Sie wurde am 22. April 1970 im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich Lenins 100. Geburtstag enthüllt. Um die zentrale Figur Lenins herum sieht man eine Gruppe von aufmerksamen Zuhörern, unter denen einige Soldaten und Matrosen zu erkennen sind. Lenin wird von zwölf Personen umgeben, was als Anspielung auf die Apostel Jesu gedeutet werden könnte, zumal die weltweite Ehrung des sowjetischen Helden häufig parallele Züge zur Würdigung Heiliger und konkret zur Darstellung Christi aufweist. In Wirklichkeit zeigt das Werk aber die historische Versammlung des 23. Oktobers 1917 (nach gregorianischem Kalender), die zur Vorbereitung der Revolution diente. Von den staatlichen Sicherheitskräften verfolgt, kehrte Lenin heimlich nach Petrograd zurück und traf sich mit 12 Mitgliedern des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei, um die Machtübernahme zu planen. Weiterlesen

Vor dem Würstchen-Imbiss

Red Lenin

Obwohl der Stil des sowjetischen Realismus, der die öffentlichen Denkmäler mit politischer Relevanz im gesamten Ostblock prägte, nicht gerade für seine Mannigfaltigkeit bekannt war, so ist es doch erstaunlich, in wie vielen verschiedenen Formen man Lenin hat darstellen können. Bei der über 3 Meter hohen Eberswalder Leninstatue aus rotem Granit wird die sonst im Vordergrund stehende Rolle des starken Staatsmanns nicht besonders pathetisch hervorgehoben, sondern man sieht einen etwas träumerischen Denker: Mit einer Hand in der Rocktasche und der anderen am Revers verliert sich Lenins Blick in der Ferne. Er trägt die für ihn charakteristische schwedische Fischersmütze, die er 1917 während seines kurzen Aufenthalts in Stockholm kaufte, als er nach dem langen Exil nach Russland zurückkehrte, und sieht ein bisschen dicker aus, als man es von anderen Darstellungen gewöhnt ist. Von den unverkennbaren Gesichtszügen abgesehen, könnte es genauso gut die Figur eines skandinavischen Fischers sein, der auf das weite Meer hinausschaut… Weiterlesen

Rote Nelken für Lenin

Lenin in Nohra

Seit dem XIX. Jahrhundert gelten rote Nelken als Symbol der Arbeiterbewegung: Damals wurden sie in Frankreich und Deutschland bei verbotenen Versammlungen im Knopfloch getragen. Zur Zeit der UdSSR wurden sie zu einem wichtigen sozialistischen Wahrzeichen in ganz Osteuropa. An Festtagen legte man sie – und legt sie auch heute noch – am Grab im Krieg gefallener Soldaten oder an Denkmälern verehrter Helden nieder. In Nohra fanden wir an einem sonnigen Frühlingstag auch vor der Statue Lenins rote Nelken liegen. Allerdings waren es keine echten, sondern Plastikblumen – sie sind billiger und halten länger. Weiterlesen

Der weiße Lenin

White Lenin

Ein Berliner Touristenführer erklärte mir mal, er würde seine Gruppen von US-amerikanischen Besuchern als Allererstes zum Sowjetischen Ehrenmal bringen: „Damit sie sehen, dass man in Berlin das Unerwartbare erwarten kann.“ Tatsächlich ist die Gedenkstätte im Treptower Park aus westlicher Sicht befremdend, wenn nicht sogar ein bisschen bizarr: Das nationalistische Pathos und die kommunistische Symbolik entfalten sich mit großer Pracht und bilden ein Monument der Huldigung des sowjetischen Patriotismus, wie manch einer es im Herzen Europas am Anfang des XXI. Jahrhunderts vielleicht nicht mehr erwartet hätte. Weiterlesen

Lenin bleibt

Bronzelenin

DEUTSCH

Während viele von den letzten Lenindenkmälern auf deutschem Boden abrissgefährdet sind oder einsam vor einer verlassenen Kaserne zerbröckeln, genießt Riesas Lenin eine sichere und gepflegte Existenz. Seitdem er 1991 in die sowjetische Kriegsgräberstätte gebracht wurde, bestehen für ihn keinerlei Gefahren mehr. Er darf als heldenhafte Schutzfigur an einer kleinen aber schmucken Parkanlage stehen und sich an der Frühlingssonne ergötzen. Wenn man seinen Gesichtsausdruck genau betrachtet, erkennt man hinter seiner eisernen Miene ein leichtes Lächeln: Wahrscheinlich freut er sich darüber, wie glücklich die Geschichte seiner übereilten Beseitigung von dem ehemaligen Leninplatz – seiner vielen Feinde zum Trotz – doch letztendlich ausgegangen ist…

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Was tun?

10-Plastik

DEUTSCH

Die Ansicht der imposanten Leninstatue im Schweriner Stadtteil Großer Dreesch wirkt wie eine Postkarte aus vergangenen Zeiten. Mit den Händen in den Manteltaschen und seinem kühnen Blick steht das kommunistische Idol inmitten einer eintönigen Landschaft von Plattenbauten und langen parallelen Straßen. Weiterlesen