Im Schweriner Depot

Als 1993 die sowjetischen Truppen aus Schwerin abzogen, überließen sie der Stadt die Exponate ihres „Traditionskabinetts“, ein kleines Militärmuseum mit verschiedenen Fotos, Kunstwerken und Zeitdokumenten zur Geschichte Russlands und der Roten Armee. Diese Exponate sollten laut der Vereinbarung zwischen dem sowjetischen Militär und der örtlichen Verwaltung im Stadtmuseum ausgestellt werden. Sie landeten jedoch in einem Depot, wo sie bis heute vergeblich auf eine öffentliche Ausstellung warten.

2_StadtmuseumschwerinDabei wäre es durchaus angebracht, diese einzigartigen Relikte für alle Interessierten zugänglich zu machen. Von Holzreliefs und Teppichen, über Ölgemälde und Glasbilder bis zu Fotos oder Skulpturen ist alles vorhanden und befindet sich dank des Engagements des Schweriner Stadtmuseums in einem guten Erhaltungszustand. Zur Gestaltung einer Ausstellung fehlt es allerdings an einem geeigneten Konzept, an Räumlichkeiten und vor allem an Geld.

Seit Jahren ist man auf der Suche nach einer Lösung, aber bis jetzt hat sich noch nichts Konkretes ergeben. Angesichts des steigenden Interesses für die deutsch-sowjetische Geschichte seitens einiger spezialisierten Museen und Vereine ist zu hoffen, dass diese Relikte zeitnah aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden und, wie anfangs geplant, im Rahmen eines Ausstellungsprojekts zur Schau kommen.

Bei einer Besichtigung des Depots hatten wir die Möglichkeit, viele der Exponate zu dokumentieren. Besonders interessant für uns waren die zwei wichtigsten Darstellungen Lenins: Ein Holzrelief zeigt einen Rotarmisten vor einem Banner mit Lenin. Unter dem Banner liest man die Inschrift „Arbeit für den Frieden“. Auf einem roten Teppich wiederum ist ein Seitenporträt Lenins und sein Geburts- und Sterbedatum zu sehen. Die wichtigste Leninfigur der Schweriner Kaserne verschwand allerdings unmittelbar nach der Wende: Bei der Demontage der Kaserne wurde die am Eingang stehende Leninstatue versehentlich zerstört und dann entsorgt. Es ist eins von vielen Beispielen für den respektlosen Umgang mit dem kulturellen Erbe der Sowjetarmee in Ostdeutschland nach der „Wende“.

Besten Dank an Frau Gesine Kröhnert und Herrn Jakob Schwichtenberg vom Schweriner Stadtmuseum

Fotos 2, 3, 4, 9 und 10: (c) Stadtmuseum Schwerin

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