A ghostly appearence

RUHM.90

ENGLISH

GelbIf you go for a walk in the Steinförder Straße in Fürstenberg, you can enjoy the fresh air, the view over the big lake Röblinsee and the bucolic calmness. Most of the houses were recently rehabilitated and next to the garage for the station wagon, you also have a parking lot for the boat – what a noble idyll! But just after the cross with the Waldweg you can see a spot with wild growing trees and bushes. If you take a look behind this picturesque setting, you will find the dusky shadow of a past, that doesn’t want to let go. The main trace of these agitated memories is the ruin of the Officer’s House with the inevitable statue of comrade Lenin. The flaking figure stands here like a ghost as a discomposing witness of past turbulences…

The Röblinsee settlement with its over one hundred villas was built in the beginning of the 20th century and a part of it was initially used as a health resort by the association of private functionaries. After World War II it was occupied by the Second Guard Tank Army of the Group of Soviet Forces in Germany and the access to the area was denied to all German citizens, including the former owner of the houses. The nice mansions were now accommodating the families of high Soviet commanders and the big yellow villa near the Waldweg became the Officer’s House. In 1993 the occupying forces left Fürstenberg and the former owners received their properties back. Most of the buildings were in such bad conditions, that they had to be completely renovated before the residents could move in again.

FB4One of the few villas, which was left abandoned is the Officer’s house. Who knows if it is the sight of Lenin, that is scaring the investors off… This mansion has got an expressionistic interior design, which combined with the last Soviet residues forms a quite fancy visual composition. Newspapers with Cyrillic letters, which once formed a layer between the wall and the wallpaper, hang from most of the walls. On an old map you can still locate the city of Leningrad. And in the attic you can find a unique collage of – in the Soviet context – very sensual images of women (mostly taken from advertisements in German magazines), posters with information about military vehicles, sports photos and cartoon characters. If you want to contemplate this particular piece of art from close-by you must be careful: The wooden floor doesn’t stop crunching and a big hole in the ground invites you to a look from above to the room underneath – it’s better to move with caution if you don’t want to end up crashing down.

The basement lies in complete darkness. With the help of a flashlight you can find a hidden entrance to a subterranean tunnel, which leads to a small complex in the backyard. Here you can enter an old storage room with rests of chemical products, imported directly from the Soviet Union or supplied from the GDR-Army. A pair of khaki colored trousers, left behind by the last soldiers, lies on the ground. On a shelf, a food tin from the early 90s. And also here the Soviet newspapers are just all over the place. The Prawda. Fidel Castro on the front page. The Olympic Games – Moscow 1984. An astronaut. The tanks of the Red Army. And also here: Lenin.

DEUTSCH

Eine geisterhafte Erscheinung

RuhmWer in Fürstenberg entlang der Steinförder Straße spazieren geht, kann die frische Luft, den Blick auf den Röblinsee und die bukolische Ruhe genießen. Die meisten Häuser sind frisch saniert und neben der Garage für den Familienwagen gibt es auch einen Platz für das Boot – eine bürgerliche Idylle! Aber kurz nach der Kreuzung mit dem Waldweg sieht man auf einer Seite eine Landschaft mit wild wachsenden Bäumen und Sträuchern. Wer hier hinter die malerische Kulisse aus freier Natur dringt, entdeckt den düsteren Schatten einer Vergangenheit, die nicht loslassen will. Die wichtigste Spur dieser unruhigen Erinnerung ist die Ruine des Hauses der Offiziere der Roten Armee mit der unvermeidlichen Statue des Genossen Lenin. Die abblätternde Figur steht hier wie ein Gespenst als verwesendes Zeugnis nicht ganz so weit zurückliegender Turbulenzen…

FB3Die aus mehr als 100 Villen bestehende Siedlung am Röblinsee wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und diente zum Teil als Erholungsort für den Privatbeamtenverein. Nach dem II. Weltkrieg wurde sie von den sowjetischen Streitkräften besetzt und komplett abgeriegelt. Die 2. Gardepanzerarmee der Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland zog ein und der Zugang zu diesem Gebiet wurde allen Deutschen, auch den früheren Bewohnern der Häuser, strengst verboten. Die vornehmen Wohnhäuser beherbergten Jahrzehnte lang die Familien hochrangiger sowjetischer Kommandeure und in der großen gelben Villa unweit der Kreuzung mit dem Waldweg wurde das Haus der Offiziere eingerichtet. Im Jahr 1993, nach dem Abzug der Besatzungsmacht, bekamen die ehemaligen Besitzer der Villen ihr Eigentum zurück, allerdings oft in einem verwahrlosten Zustand, sodass durch private Investitionen und staatliche Förderungsprogramme die Gebäude erst mal komplett renoviert werden mussten.

Eins der wenigen Objekte, um das sich niemand gekümmert hat, ist das Haus der Offiziere. Wer weiß, ob nicht der Anblick Lenins die Investoren fernhält… Diese alte Villa hat zum Teil eine expressionistische Innengestaltung, die mit den letzten sowjetischen Hinterlassenschaften eine ausgefallene Komposition bildet. An den Wänden kleben Zeitungen mit kyrillischen Buchstaben, die einst als Zwischenschicht beim Tapezieren gedient haben. Man kann auch die Reste einiger alten Weltkarten vorfinden, wo noch Leningrad existiert. Auf dem Dachboden ist eine einzigartige Collage von für sowjetische Verhältnisse sehr sinnlichen Frauenbildern (meist aus Werbeanzeigen deutscher Zeitschriften rausgerissen), Plakaten mit Information über Kriegsfahrzeuge, Sportfotos und Zeichentrickfiguren erhalten. Bei der Annäherung an dieses einzigartige Kunstwerk muss man allerdings aufpassen: Der Holzboden knirscht und hat an einer Stelle schon nachgegeben, sodass ein großes Loch zu einem Blick aus der Vogelperspektive in das Zimmer der unteren Etage einlädt. Andere Bretter scheinen in jedem Moment auch nachgeben zu wollen – man bewegt sich hier also am besten vorsichtig, wenn man nicht unerwartet in den Abgrund stürzen möchte.

FB6Im Keller herrscht komplette Finsternis. Mithilfe einer Taschenlampe kann man eine versteckte Passage finden, die zu einem langen unterirdischen Tunnel und schließlich zu einem Ausgang an der im Hintergarten der Villa stehenden Anlage führt. Dort findet man in einem Lagerraum noch Reste chemischer Produkte, die – wie die Inschrift der großen Eimer und Kanister verrät – direkt aus der Sowjetunion importiert oder von der Nationalen Volksarmee geliefert wurden. Eine alte kakifarbene Soldatenhose liegt einsam auf dem Boden. In einem Schrank eine leere Konservendose. Und überall die sowjetischen Zeitungen als Wandverkleidung. Die Prawda. Fidel Castro auf der Titelseite. Die Olympischen Spiele – Moskau 1984. Die Figur eines Kosmonauten. Panzer der Roten Armee. Und natürlich auch hier: Lenin.

De capa caida

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In der Dämmerung-55

Collage

Astronaut

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