Im Schatten der Berliner Mauer

moai

Als die Alliierten die innerdeutsche Grenzlinie zogen, wurde Spandau West-Berlin zugeordnet, während die angrenzende Stadt Falkensee Teil der sowjetischen Besatzungszone wurde. Als Jahre später die Grenze geschlossen wurde, verlief das Leben in Falkensee wortwörtlich im Schatten der Berliner Mauer. Nach der Wiedervereinigung wollte man  die Vergangenheit des hier besonders prägenden Lebens im geteilten Deutschland nicht einfach in Vergessenheit geraten lassen, sodass man, im Gegensatz zu dem, was in vielen anderen Städten passierte, einige Denkmäler und Elemente des sozialistischen Alltags aufbewahrte. So kommt es, dass auch heute noch die Büsten von Karl Marx und Lenin im Hintergarten des örtlichen Heimatmuseums in einem sehr guten Erhaltungszustand zu sehen sind. Hinter ihnen steht ein authentisches Stück des in der DDR so bezeichneten „antifaschistischen Schutzwalls“.

duoNeben den zwei Skulpturen aus grauschwarzem Kunststein steht eine Infotafel mit der Geschichte dieser zwei Denkmäler. Die Leninbüste wurde 1954 zusammen mit einer inzwischen verschollenen Stalinbüste auf über 4 Meter hohe Sockel in einem kleinen Park aufgestellt. Als aber Anfang der 60er Jahre die massiven Menschenrechtsverletzungen Stalins bekannt wurden, verlor er seinen Status als sozialistischer Held. Im gesamten Ostblock wurden seine Denkmäler entfernt und auch in Falkensee verschwand seine Büste und wurde prompt durch eine von Karl Marx ersetzt. Die drei Denkmäler wurden von der Falkenseer Firma Wendrich nach Entwürfen vom Bildhauer Kurt Zobel geschaffen.

Sowohl die Darstellung von Lenin als auch die von Karl Marx entsprechen einem naiven Realismus, der von einem Hauch Fantasie umgeben ist. Der Leninkopf erinnert irgendwie an die Moai, die kolossalen Statuen auf der chilenischen Osterinsel, was ihm eine mystische Ausstrahlung verleiht: Lenin als Staatsmann und übernatürliche Figur.

ENGLISH

In the shadow of the Berlin Wall

leninWhen the allies designed the border separating West-Berlin from the Eastern occupation zone, which would become the Democratic Republic of Germany, they set the line just before the city of Falkensee. After the building of the Berlin Wall, this small city lay literally in its shadow. When after decades of separation, Germany was finally reunited, the local population didn’t want their past, marked by the division, to be simply forgotten, so that in contrast to what happened in other towns, some monuments and elements of the life in the Socialist Germany were preserved. That’s why even nowadays we can still run into Lenin or Karl Marx in Falkensee. Their busts are exposed in the backyard of the museum for local history just in front of an authentic part of the Berlin Wall.

An information panel is located next to the two well preserved sculptures with its history. The bust of Lenin was erected in a local park next to a bust of Stalin in 1954. They were standing on top of over four meter high pedestals.  But in the beginning of the 60s, when the massive violation of human rights by Stalin was revealed and the former Soviet dictator lost his status of Socialist hero, his bust disappeared. It was replaced by one of Karl Marx. The three figures have been designed by the local sculptor Kurt Zobel and made by the firm Wendrich.

The representations of Lenin and Karl Marx are made in a style of naïve realism, with a touch of fantasy. Lenin’s head somehow reminds us of the Moai, the colossal statues on the Chilean Eastern Island, what gives him a mystic energy: Lenin as a statesman and supernatural figure.

hintergarten

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4 Gedanken zu “Im Schatten der Berliner Mauer

  1. traumradeln schreibt:

    Deine Zeilen brachten mich zum Nachdenken. „Kulturelle Zerissenheit“ könnte eine Interpretation sein. Für mich drücke ich es positiver aus. Wir können und sollten unsere größere gesellschaftspolitische Prägung nicht gering schätzen. Dabei ist es egal, wie wir oder auch andere die untergegangenen Gesellschaft bewerten. Für uns gibt es keinen Grund an unserer persönlichen kulturellen Prägung zu zweifeln. Manche tun das, was aber falsch ist. Vielmehr sollten wir Chancen, die wir durch unsere größere Erfahrung haben nutzen. Danke für den Stubser und deinen Beitrag.

    Gefällt 1 Person

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